Barfen im Alltag – Erfahrungen und Empfehlungen

Als ich anfing zu barfen – zuerst unsere Katzen als sie etwa 10 Wochen alt waren – fand ich es furchtbar kompliziert. Im Internet fand ich viele Informationen und Rezepte, an die ich mich zunächst hielt. Mit dem Ergebnis, dass ich einmal monatlich einen Vormittag in der Küche verbrachte und eine riesige Fleischlieferung fein säuberlich in kleine Häufchen zerlegte, abwog, in Beutelchen verpackte und wieder einfror. Die Küche sah jedes Mal aus wie ein Schlachthaus und ich hatte nicht wirklich Spaß daran. Pro Tag wurden dann 1-2 Beutel aufgetaut.

Wenn wir in den Urlaub fuhren, stellte ich die Katzen auf Dosenfutter um, weil ich unserer Nachbarin die Fleischfütterung nicht zumuten wollte. Das ging solange gut bis die Katzen irgendwann das Dosenfutter schlicht verweigerten und meine Nachbarin mich verzweifelt im Urlaub anrief. Ich riet ihr, Fleisch zu kaufen und zu füttern. Das klappte und von da an gab es nur noch rohes Fleisch.

Auch als später unsere Hündin Eltje dazukam, hielt ich mich zunächst an Futterpläne und Empfehlungen aus dem Internet und hatte irgendwann einen Berg Futterzusatzmittel zu Hause, der mich zum Nachdenken brachte.

Inzwischen habe ich mir die Rohfütterung so vereinfacht, dass ich sie problemlos im Alltag umsetzen kann und möchte meine Erfahrungen damit hier weitergeben.


Futtermenge

Hunde, die normal belastet werden, benötigen 2% ihres Körpergewichts an Futter. Bei einem 30kg Hund sind das 600g. Steigt die Belastung, z.B. durch sportliche Aktivitäten, muss man die Futtermenge entsprechend erhöhen, um ein Viertel oder um die Hälfte. Das muss man dann ausprobieren.

Für Katzen werden häufig 150g pro Katze täglich empfohlen, unabhängig vom Körpergewicht. Diese Menge hat für unsere Freigänger nie gereicht. Wir brauchten immer mindestens 170-200g Fleisch pro Katze bei 3 Fütterungen täglich. Gelegentlich auch deutlich mehr. Unsere Katzen wiegen 3kg und 6kg, fressen aber beide nahezu gleich viel. Bei erwachsenen Katzen ist die Futtermenge nach meiner Erfahrung wenig vom Körpergewicht abhängig, viel mehr von der körperlichen Aktivität. Das heißt bei uns, im Winter reduzieren sich körperliche Aktivität und Futtermenge, im Sommer ist beides erhöht.

Inzwischen wiege ich das Futter nicht mehr ab, sondern füttere nach Gefühl. Das kommt mit der Zeit. Katzen sind da aber sehr klar in ihrer Kommunikation. Sie geben so lange keine Ruhe bis sie satt sind. Im Prinzip kann man auch Hunde füttern bis sie satt sind. Das mache ich gelegentlich, wenn ich einen sehr großen fleischigen Knochen füttere. Irgendwann – bevor alles abgefressen ist - hört Eltje dann auf zu fressen, weil sie satt ist. Bei Rohfütterung muss man sich keine Sorgen machen, dass Hund oder Katze dick werden. Das ist in der Natur nicht vorgesehen.


Häufigkeit

Unsere Hündin Eltje füttere ich i.d.R. zweimal am Tag – vormittags und am späten Nachmittag oder Abend. Wenn ich Knochen füttere, dann immer am Vormittag. Gelegentlich gibt es eine dritte Fütterung, z.B. wenn mein Mann mit ihr Rad gefahren ist.

Unsere Katzen (Freigänger) werden gefüttert, wenn sie sich mal sehen lassen und nach Futter fragen. Das können insgesamt 3-4 Portionen pro Katze sein, wobei unser Kater sich sein Futter über den Tag verteilt holt und unsere Katze nur abends nach Hause kommt und dann mehrmals hintereinander nach Futter fragt.


Art des Futters

Ich füttere sowohl unserer Hündin als auch den Katzen rohes Fleisch und fleischige Knochen. Eltje bekommt Fleisch und Knochen vom Rind, manchmal auch Huhn, Pute und Wild, die Katzen bekommen Knochen vom Huhn sowie Geflügel- und Rindfleisch.


Futterzusätze

Ich verwende fast keine Zusätze mehr. Die Katzen bekommen gelegentlich einen Löffel Chlorella-Algen (pulverisiert) über ihr Futter. Unser Kater bekommt gelegentlich ein paar Stücken Gurke, weil er die so gern frisst. Unsere Katzen haben schon immer fast alle Futterzusätze verweigert. Ob das Öle waren oder Bierhefe oder Kräuter.

Unsere Hündin bekommt mehrmals im Jahr als Kur etwa 3-4mal wöchentlich über mehrere Wochen Chlorella-Algen übers Futter. Zusätzlich wenn sie erhöhten Bedarf an Mineralstoffen hat, z.B. in der Läufigkeit. Ebenso bekommt sie ab und an geriebene Möhren (prophylaktisch zur Darmpflege), Kräuter (pulverisiert) und Öl übers Futter. Aber nicht täglich. Wenn ich das Gefühl habe, dass zu lange kein Kot kam und da vielleicht etwas festsitzt, gebe ich eine Portion Fleisch mit geraspelte Möhren und etwas Öl. Das regt die Darmtätigkeit an und hilft immer. Im Sommer pflückt Eltje sich gern selbst Himbeeren und Brombeeren. Momentan bettelt sie gelegentlich um ein Stück Apfel.

Bis vor etwa 2 Monaten habe ich unserer Hündin noch sehr viel zusätzlich zum Fleisch gefüttert: viel geriebenes Gemüse, mehrmals pro Woche Öl, Kräuter und Algen, gelegentlich Hefetabletten. Das Ergebnis waren Schuppen am ganzen Körper, stumpfes Fell, Hautjucken und eine Anfälligkeit für Flöhe. Als mir klar wurde, dass es auch ein Zuviel an Nährstoffen gibt, die der Körper nicht mehr verarbeiten kann, habe ich sämtliche Zusätze weggelassen. Seitdem geht es Eltje deutlich besser.


Leckerlies

Natürlich sind auch unsere Leckerlies aus getrocknetem rohen Fleisch oder Fisch. Am besten eignen sich kleine Rinderherzstückchen, Fisch-Nuggets oder Sprotten. Die kleinen Sprotten sind so weich und offenbar lecker, dass sogar unsere Katzen sie mir fast aus der Hand reißen. Und die bekommen normal gar keine Leckerlies.

In besonders schwierigen Trainingsphasen mit unserer Hündin habe ich auch schon frische kleine Fleischstückchen in einer Plastiktüte in der Jackentasche mit mir herumgetragen. Das kam natürlich besonders gut an.


Beschaffung

Ich bestelle etwa einmal im Monat gefrorenes Futterfleisch bei Futterhändlern online und lasse es nach Hause liefern. Wenn die Lieferung ankommt, packe ich die Futterpäckchen – so wie sie sind – in den Tiefkühlschrank. Ich taue sie nicht mehr wie früher an und portioniere sie. Der Hund und die Katzen haben im Tiefkühlschrank getrennte Fächer.

Inzwischen haben wir auch einen Bio-Bauernhof in unserer Nähe gefunden, bei dem wir am Schlachttag frische „Abfälle“ holen können, also Knochen, Pansen, Rinderohren. Teile davon verfüttere ich unserer Hündin frisch, andere friere ich frisch ein.

Auch die getrockneten Leckerlies bestelle ich online.


Verwendung täglich

In unserem Kühlschrank stehen zwei Plastikbehälter. Einer enthält das aufgetaute Futter für unsere Hündin, der andere das für die Katzen. Aus diesen Behältern gebe ich das Fleisch oder die fleischigen Knochen in die Futternäpfe.

Am Abend schaue ich, ob für den nächsten Tag noch genug Aufgetautes da ist. Wenn nicht, hole ich aus dem Tiefkühlschrank ein Futterpäckchen für den Hund oder die Katzen oder je eines für beide. Das lege ich über Nacht zum Auftauen auf einen Teller und fülle es am nächsten Morgen in die Dose.


Futterumstellung

Unsere Katzen haben von Anfang an rohes Fleisch bekommen, als Welpen z.T. noch im Wechsel mit Dosenfutter. Später nur roh. Futterumstellungen gab es eigentlich nur, wenn wir mal in den Urlaub gefahren sind. Da habe ich über eine Woche oder auch nur ein paar Tage die Fleischmahlzeiten reduziert und die Dosenfuttermahlzeiten erhöht. Bei den Katzen gab es damit nie Probleme.

Die Futterumstellung unserer Hündin Eltje von Trockenfutter und gelegentlich Fleisch und Knochen war schwieriger, weil Eltje eine sehr empfindliche Verdauung hat. Anfangs habe ich eine Mahlzeit Trockenfutter und eine Mahlzeit Fleisch gefüttert. Das vertrug sie gut. Als ich dann auf nur Fleischmahlzeiten umgestellt habe, wurde es anspruchsvoll. Eltje hat sehr leicht mit Durchfall oder breiigem Kot reagiert. Bei Durchfall ist Nahrungskarenz die erste Regel, also nicht füttern, damit sich der Darm beruhigen kann. Wenn man aber wie wir z.T. fast täglich Durchfall als Reaktion aufs Futter bekommt, muss man sich was anderes überlegen. Eltje sollte ja auch mal Futter drin behalten. Also habe ich Heilerde zugefüttert. Das hat die Verdauung beruhigt, war für mich aber keine Dauerlösung. Um zu verstehen, was den Durchfall auslöst, fing ich an aufzuschreiben, was ich wann gefüttert habe und wie danach der Kot aussah. So kam ich darauf, dass ihre Verdauung nur sehr kleine Futtermengen auf einmal verarbeiten konnte. Das waren damals 150g Fleisch pro Portion. Gab ich 160g, reagierte sie sofort mit Durchfall oder breiigem Kot. Also fütterte ich eine ganze Weile 4-5mal täglich 150g Fleisch. So bekamen wir endlich mal Ruhe und ein bisschen Routine in die Fütterung.

Irgendwann habe ich in winzigen Schritten (10g) angefangen, die Futtermenge pro Portion zu erhöhen. Mal hab ich mehr probiert und dann gemerkt, dass es klappte. Ihre Verdauung vertrug von Monat zu Monat größere Portionen. Insgesamt hat Eltjes Umstellung auf Rohfütterung etwa ein Jahr gedauert, in dem ich immer mal wieder Heilerde gefüttert habe.

Heute sind Experimente mit neuen Fleischsorten oder anderen Knochen für ihre Verdauung kein Problem. Es gibt nur einiges, was sie nicht fressen mag oder nicht im Ganzen frisst. Dazu zählen z.B. Leber, Euter und gelegentlich Putenherzen. Das frisst sie dann nur gewolft und mit anderem Fleisch vermischt.


Umstellungsempfehlung

Jeder Hund wird anders auf eine Futterumstellung reagieren. Und nicht jeder ist so problematisch wie unsere Hündin. Also muss man ausprobieren. Die Verdauung braucht auf jeden Fall Zeit, um sich darauf einzustellen, dass sie für die Fleischverdauung andere Enzyme produzieren muss als für die Verdauung des bisherigen Futters. Auch manche Hunde müssen erst lernen, wie man richtig Fleisch und Knochen frisst. Am Anfang kann es durchaus vorkommen, dass das rohe Futter wieder erbrochen und noch mal gefressen wird. Das ist völlig in Ordnung und passiert, wenn ein Hund, der es gewöhnt ist, Trocken- oder Dosenfutter zu schlingen, das Gleiche mit dem rohen Futter macht. Da sagt der Magen dann, tut mir leid, du musst schon ein bisschen kauen, wenn ich das verdauen soll. Die Hunde lernen das recht schnell.

Generell würde ich empfehlen, einen gesunden Hund sofort ganz auf Rohfutter umzustellen.

Was man zusätzlich füttern will, muss jeder für sich entscheiden und ausprobieren, was der Hund verträgt. Seien es nun Gemüse, Obst oder Nahrungszusätze. Grundsätzlich gilt, je besser ich mit der Fütterung das ganze Beutetier imitiere, umso weniger Zusätze sind nötig.


Vorteile der Rohfütterung

  • starkes Immunsystem

  • starke Bänder und Sehnen

  • bessere Muskulatur

  • straffe Haut

  • schönes, gesundes, glänzendes Fell

  • kein Zahnstein und damit keine Zahnfleischentzündungen (Als wir unsere Hündin im Alter von 2 Jahren bekamen, hatte sie bereits Zahnstein. Nach einem Jahr Rohfütterung hatte sie keinen mehr.)

  • kein übler Hundegeruch

  • weniger Parasiten (Würmer, etc.)

  • Risiko einer Magendrehung drastisch reduziert

Wir konnten bei unserer Hündin durch die Futterumstellung eine Verbesserung des äußeren Erscheinungsbildes (Muskulatur, Straffheit der Haut, Fell) beobachten.

kompletter Text zu finden auf nachfolgender Homepage:

Antje Roggemann
Tierheilpraktikerin (ATM),
Reiki-Heilerin
Naturheilverfahren und Ernährungsberatung für Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen ________________________________________________________________

Karrendorfer Str. 13a
17498 Neuenkirchen / Leist 1
Tel.: 0 38 34 / 51 93 37
Mobil: 0177-742 11 90
www.tierheilpraxis-roggemann.de
info@tierheilpraxis-roggemann.de


Service und Statstik

Seite bookmarken:


Statistiken
Seitwert

Copyright © 2010 ---.
All Rights Reserved.